Rugby ?

Wie spielt man Rugby?
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Regelwerk 2001
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Ein Reise in die Geschichte des Rugby Spiels

No Sports
Warum. sich Schotten plötzlich vor einem Ballspiel fürchten
(Der Spiegel Nr. 24 11.06.2001 Autor: Uwe Buse)

Gary Gibson sinkt in die Tiefen seines Sessels, bis der Schatten die linke Hälfte seines Gesichts schluckt und die rechte im Schein des elektrischen Kaminfeuers schimmert, das zu seinen Füßen glüht. Die Grenze zwischen Hell und Dunkel läuft über Gibsons Nasenrücken. Es ist eine dramatische Pose, die Gibson einnimmt, wenn er wieder einmal die Amerikanisierung der Welt verdammt ? den Reflex, alles und jeden zu verklagen, wenn man sich davon einen Gewinn verspricht: "Drücke dich vor der Arbeit, und verklage deinen Boss, wenn er dich entlässt. Fall betrunken vom Bürgersteig, und verklage die Stadt." So denke man in Amerika.
Da werde ein blutarmer Lebensstil kultiviert und exportiert durch Filme, Fernsehserien; ein Lebensstil, der alles verbiete, was das Leben prall mache. Ein paar dreckige Witze. Ein ordentlicher Rausch. Eine Schlägerei unter Freunden. Und jetzt habe sich die "political correctness" eingenistet in den Köpfen einiger Einwohner von Kirkwall und bedrohe das großartigste Spiel der Welt. Das Spiel heißt Ba', und er, Gary Gibson, zweimaliger Ba'?Champion, werde Himmel und Hölle in Bewegung setzen, um zu verhindern, dass Ba' verboten wird.
Um Ba' zu spielen, braucht man etwa 200 Männer und einen Ball. Die Männer bilden zwei Mannschaften, jede Mannschaft wählt einen Ort, an den sie den Ball tragen muss. Zum Beispiel eine Hauswand am nördlichen Ende der Hauptstraße und das Hafenbecken im Süden. Zu Beginn des Spiels treffen sich die beiden Mannschaften auf halber Strecke zwischen wand und Hafen, und irgendjemand wirft den Ball in die Luft.
In den folgenden Stunden sind 200 Männer zu besichtigen, die eine schreiende, schwitzende Menschentraube bilden, in deren Zentrum ein Bedauernswerter steckt, der den Ball trägt. Videos vergangener Ba's zeigen Männer, die den Ball panisch fortwerfen, wenn die zwei Hundertschaften auf sie zurennen. Ein Ba' endet, wenn eine Mannschaft
den Ball ins Ziel bringt. Das kann acht Stunden dauern. Oder länger.
Ist das. Spiel beendet, beginnt die Arbeit der Ärzte, der Zimmermänner und Dachdecker, denn das Ba' hat keine Regeln, es existiert kein Schiedsrichter, und das Spielfeld ist das ganze Dorf. Es gibt nur einen Ball, einen Haufen adrenalinsatter Männer und eine Menge gebrochener Rippen, ausgekugelter Schultern, eingedrückter Tore ? und hin und wie?
der ein demoliertes Dach, denn der schnellste und sicherste Weg vom Start zum Ziel führt über die Häuser. An jedem anderen Ort der Welt wäre Ba' kein Spiel, sondern öffentlicher Aufruhr, es würde nicht mit einer Feier enden, sondern mit einer Gerichtsverhandlung und Verurteilungen.
Historiker glauben, dass Ba' der wilde Urahn von Fußball, Rugby und American Football ist. Früher wurde Ba' von Wikingern gespielt, angeblich mit dem Kopf eines Feindes. Heute existiert es nur noch in dieser Kleinstadt auf den Orkney?Inseln. Seit vielen Jahrhunderten kommen die Männer am Weihnachtstag und am 1. Januar auf dem
Marktplatz zusammen, um ein paar Stunden lang guten, altmodischen Spaß zu haben. In der Lokalzeitung werden Kinder und schwangere Frauen gebeten, die Straßen zu meiden, in denen sich Spieler aufhalten. Parkende Autos sollten aus dem Zentrum des Dorfes entfernt werden. Die Häuser werden mit schweren Holzbalken verbarrikadiert.
So weit, so gut. Doch seit kurzem finden ein paar Bürokraten in der Bezirksverwaltung all das nicht mehr lustig. Sie wollen das Spiel nicht mehr genehmigen, weil sie fürchten, verletzte Spieler könnten sie verklagen und juristisch für die Verletzungen verantwortlich machen. Für die Bürokraten ist das Ba' kein volkskundliches Kleinod, sondern so etwas wie Rülpsen nach fettem Essen, eine schlechte Angewohnheit, die man besser heute als morgen ablegt.
Ein Sprecher der Verwaltung: "Es gibt zurzeit neue Erwägungen zum Ba', aber noch möchten wir nichts dazu sagen." Die Bürokraten fühlen sich belagert.
Gibson glaubt, die Gegner des Spiels wohnten nicht in Kirkwall, sondern in den umliegenden Dörfern, "wo sie keine Ahnung haben, was das Ba' ist". Nur die Einwohner von Kirkwall verstünden das Ba', und nur der Sieger des Ba' kenne das grandiose Gefühl, nach dem Triumph von seinem Team zum wertvollsten Spieler gewählt, auf dessen Schultern in den Pub getragen zu werden und den Ba'?Ball als Trophäe mit nach Hause zu nehmen.
Die beiden Ba'?Bälle, die Gibson gewann, hängen im Wohnzimmerfenster, neben den dreien, die seine Söhne gewannen. Werden Besucher durch Kirkwall geführt, zeigt man ihnen die Kathedrale, das Rathaus, den Hafen und das Fenster in Gibsons Haus. Keine Familie in Kirkwall hat mehr Ba's gewonnen.
Gary Gibson ist überzeugt, dass Ba' auch in diesem Jahr stattfindet. Und im nächsten. Und in den kommenden Jahren auch. "Sie können das Spiel verbieten", sagt Gibson, "aber sie können es nicht verhindern. Schließlich brauchen wir nur einen Ball."
Sehr wahrscheinlich hat Gibson Recht. Bislang brauchte es mehr als ein Verbot der Bezirksverwaltung, um das Spiel zu verhindern. Das erste Mal fiel das Ba' 1914 bis 1918 aus. Das zweite Mal 1939 bis 1945
.

Die Regeln beim Kampf der Giganten
SPIEGEL ONLINE - 27. Juni 2001 Von Stefan Hauck

Seine immense Dynamik verdankt Rugby den seltsamen Regeln. Neulinge brauchen eine Weile, bevor sich die Verwirrung legt und sie begreifen, worum es bei der Sportart eigentlich geht.

Rugby ist ein offensiver Mannschaftssport. In der klassischen Spielvariante wird Rugby mit 15 Spielern pro Mannschaft gespielt. Im Siebener-Rugby dagegen treten sieben Spieler pro Mannschaft in zwei Halbzeiten je sieben Minuten gegeneinander an. Gespielt wird auch das Siebener-Rugby auf einem Feld etwa von der Größe eines normalen Fußballplatzes (nicht mehr als 100 Meter lang und nicht breiter als 69 Meter).

Um sich eine genauere Vorstellung zu machen, hilft es, wenn man sich ein Fußballfeld mit 14 statt 22 Spielern vorstellt. Ein ziemlich einsamer Anblick. Durch die geringe Spielerzahl entsteht viel freier, bespielbarer Raum. Damit werden die Spielzüge schneller, und das Spiel bekommt eine immense Dynamik, vergleichbar mit dem Eishockey. Gefragt sind schnelle, wendige und konditionsstarke Spieler - große und massige Sturmspieler sieht man seltener.

Nicht nur das Spielgerät sieht anders aus als der gewohnte runde Ball, auch die Punktezählung wirkt ein wenig exotisch. Das Hauptziel: Das Rugby-Ei wird von einem Spieler in die fünf Meter breite gegnerische Endzone (Malfeld) getragen und dort abgelegt. Das Ganze nennt man dann einen "Versuch". Hineinlaufen langt nicht - nur wenn der Ball auch wirklich abgelegt wird, gibt es fünf Punkte.

Nach einem Versuch kann ein Kicker der angreifenden Mannschaft noch versuchen, das Ei so zu kicken, dass es zwischen den beiden Stangen durchfliegt. Diese "Erhöhung" bringt weitere zwei Punkte.

Außerdem gibt es zwei weitere Möglichkeiten, Punkte zu erzielen. Sollte es ein Kicker schaffen, nach einem Straftritt das Rugby-Ei zwischen die Stangen zu platzieren, zählt das drei Punkte ("Field Goal"). Ebenfalls drei Punkte bringt ein "Drop-Kick": Ein Spieler lässt den Ball kurz auf dem Boden aufspringen und versucht dann, ihn zwischen den Stangen durchzuschießen.

In 14 Minuten Gesamtspielzeit wird gerannt. Immer wieder vor und zurück, vor und zurück. Da nur nach hinten gepasst werden darf, müssen sich die Spieler der angreifenden Mannschaften jedes Mal hinter dem Ballträger einordnen. Mitunter läuft man vor einem erfolgreichen Versuch mehr in Richtung des eigenen Malfeldes als in Richtung des gegnerischen Malfeldes.