Uni-Rugby
Auf sie mit
Gebrüll
Von Stefan Hauck
Das Ei fliegt, ein kurzer Sprint, ein harter Frontalzusammenstoß - und schon bebt die Erde. Am Wochenende treten Uni-Teams zu den deutschen Rugby-Meisterschaften an. Und nicht nur schwere Jungs pflügen den Rasen um.
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Nach hinten passen! Du musst nach hinten passen!
Seit zwei Wochen trainiert Khaled Belhedi mit der Rugbymannschaft der Universität Heidelberg. Noch ist für ihn der Umgang mit dem eiförmigen Leder etwas ungewohnt, und auch der Spielablauf macht ihm zu schaffen. Recht fremd erscheinen zunächst die Regeln: nur nach hinten passen, jeder Raumgewinn muss erlaufen werden. Und wenn das Rugby-Ei mal gekickt wird, stehen alle Spieler im Abseits und dürfen erst ins Geschehen eingreifen, wenn der Kicker sie überholt hat.
Sein Ziel teilt Khaled Belhedi mit seinen fast 30 Mitspielern: die deutschen Hochschulmeisterschaften im Siebener-Rugby, die am 30. Juni und 1. Juli in Heidelberg ausgetragen werden. Die Heidelberger Uni-Rugby-Mannschaft und das Sportinstitut erwarten an diesem Wochenende 35 Herren- und Damenmannschaften von 24 deutschen Universitäten.
Nirgendwo sonst ist Rugby so intensiv mit Stadt und Universität verbunden wie in Heidelberg. Rugby hat dort überhaupt eine besondere Bedeutung: Vier Mannschaften spielen auf Bundesliga-Niveau; die Stadt ist das Landesleistungszentrum in Baden-Württemberg. Neben Heidelberg ist der Sport nur in Hannover so populär. Beim Uni-Rugby ist die Situation noch klarer. So hat das Heidelberger Uni-Team in den letzten Jahren bereits zehnmal die Hochschulmeisterschaft gewonnen.
Trotz des Außenseiterstatus lockt Rugby Sponsoren
In Deutschland hat Rugby bisher einen Sonderstatus und wird öffentlich wenig beachtet. Weltweit indes zählt der Sport zu den fünf beliebtesten Sportarten, rangiert auf der Südhalbkugel sogar ganz vorn. So teilen Südafrika, Australien und Neuseeland sich stets die Favoritenstellung bei der Weltmeisterschaft, auch wenn letztes Jahr überraschend Frankreich Vize-Weltmeister wurde. Aber der große Durchbruch steht in Europa noch aus. Er könnte gelingen, falls die Siebener Version sich bei den Olympischen Spielen in Athen 2004 durchsetzt.
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Kein Sport nur für "schwere Jungs"
Auch wenn vor heimischer Kulisse zwei, vielleicht sogar drei Heidelberger Herrenmannschaften aufspielen, haben sie die Meisterschaft noch lange nicht gewonnen. Spannend bleibt es bis zum Schluss, der Gewinner steht erst am 1. Juli fest. Neben Khaled Belhedi aus Marokko trainieren 20 bis 30 Studenten der Heidelberger Universität und der Pädagogischen Hochschule Heidelberg zweimal die Woche. Insgesamt finden sich zwölf verschiedene Nationen im Training ein. "Das internationale Spielerfeld kommt der Qualität des Trainings zugute", meint der Trainer Matthias Bechtel.
Viele Nationen bringen ihre eigene kulturtypische Spielweise mit ein. Zum Beispiel die beiden Argentinier Gustavo Prado und Mauritzio Manarin: Seit zwei Jahren sind sie dabei und praktizieren das südamerikanisch locker-leichte Spiel von Fußballern wie Pele oder Maradona auch im Rugby. Gustavo mit seinem Gewicht von 50 Kilogramm widerlegt auch für den letzten Zweifler das Vorurteil, dass nur große und schwere Spieler erfolgreich sein können.
Im zweiten Teil: Für Zwerge und Riesen - die etwas exotischen Regeln
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